Europa bietet auf engem Raum eine enorme landschaftliche Bandbreite. Hier sind zehn beliebte Wohnmobil-Routen mit unterschiedlicher Dauer und Schwierigkeit.
| Route | Dauer | Schwierigkeit |
|---|---|---|
| Norwegen: Die Fjordroute | 2-3 Wochen | mittel bis anspruchsvoll |
| Schottische Highlands: North Coast 500 | 7-10 Tage | mittel (schmale Straßen) |
| Kroatische Adriaküste | 10-14 Tage | einfach bis mittel |
| Andalusien und die spanische Südküste | 10 Tage | einfach |
| Toskana und Umbrien | 7-10 Tage | einfach |
| Irland: Wild Atlantic Way | 10-14 Tage | mittel |
| Portugal: Algarve und Westküste | 7-10 Tage | einfach |
| Alpenüberquerung | 7 Tage | anspruchsvoll (Passstraßen) |
| Griechenland: Peloponnes | 10 Tage | mittel (Fährüberfahrt nötig) |
| Skandinavien-Rundreise | 3-4 Wochen | mittel bis anspruchsvoll |
Zwei Hinweise vorweg, die für alle zehn gelten. Erstens die Anreise: Bei Zielen wie Norwegen, Griechenland oder Andalusien geht ein erheblicher Teil der Urlaubszeit für die reine Anfahrt drauf. Wer weniger als zwei Wochen Zeit hat, fährt entweder näher oder mietet vor Ort und fliegt an. Beide Varianten haben ihre Berechtigung; die Anmietung im Zielland spart Tage, kostet aber Flug und meist einen höheren Tagessatz.
Zweitens die Reisezeit. Der Juli und August sind an den Küsten Südeuropas voll und heiß, während sie in Skandinavien und Schottland die einzige verlässlich brauchbare Zeit sind. Umgekehrt sind Mai, Juni, September und Oktober im Süden fast immer die bessere Wahl: angenehme Temperaturen, halb leere Plätze und deutlich günstigere Mietpreise. Die Schwierigkeitsangaben unten beziehen sich auf Straßenverhältnisse und Fahrzeuggröße, nicht auf die Planung.
1. Norwegen: Die Fjordroute
Von Oslo entlang der Küste bis zu den Lofoten: spektakuläre Fjorde, aber lange Fahrstrecken und höhere Kosten. Dauer: 2-3 Wochen, Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll.
Norwegen ist die teuerste Route im Feld: Diesel, Fähren und Maut summieren sich schnell, und die Fjordquerungen laufen fast alle über kostenpflichtige Fähren oder Tunnel. Dafür ist die Infrastruktur exzellent und das Jedermannsrecht großzügiger als anderswo. Allerdings gilt es primär fürs Zelten und wurde für Fahrzeuge zuletzt eingeschränkt. Beste Zeit ist Juni bis August; im Juni bekommst du oben im Norden die Mitternachtssonne dazu.
Oslo → Lofoten2. Schottische Highlands: North Coast 500
Eine Rundroute durch die schottischen Highlands mit dramatischen Küstenabschnitten und einsamen Straßen. Dauer: 7-10 Tage, Schwierigkeit: mittel (schmale Straßen).
Die eigentliche Herausforderung sind die einspurigen Straßen mit Ausweichbuchten, den sogenannten passing places. Mit einem Fahrzeug über 6 Meter wird das anstrengend, und der Linksverkehr kommt dazu. Plane kurze Etappen und rechne mit deutlich mehr Fahrzeit, als die Kilometer vermuten lassen. Wegen der starken Zunahme des Verkehrs gelten inzwischen an vielen Stellen Übernachtungsverbote. Offizielle Plätze sind hier die deutlich entspanntere Wahl.
Inverness → John o' Groats3. Kroatische Adriaküste
Von Istrien bis Dubrovnik entlang der Küste mit zahlreichen Buchten und historischen Altstädten. Dauer: 10-14 Tage, Schwierigkeit: einfach bis mittel.
Kroatien hat eine der dichtesten Campingplatz-Landschaften Europas, viele davon direkt am Wasser. Dafür ist Freistehen streng verboten und wird konsequent kontrolliert. Die Küstenstraße Jadranska magistrala ist landschaftlich grandios, aber im Sommer voll und stellenweise eng. Für Wohnmobile praktisch: Die meisten Plätze bieten Schatten unter Pinien, was bei 35 Grad einen spürbaren Unterschied macht.
Pula → Dubrovnik4. Andalusien und die spanische Südküste
Von Sevilla über die Costa del Sol bis nach Granada, mit warmem Klima auch außerhalb der Hauptsaison. Dauer: 10 Tage, Schwierigkeit: einfach.
Andalusien ist das klassische Winterziel für Wohnmobile: Zwischen November und März liegen die Temperaturen tagsüber häufig bei 15 bis 20 Grad, die Plätze bieten Monatstarife, und viele Dauercamper aus Nordeuropa überwintern dort. Im Hochsommer ist es dagegen mit 40 Grad im Landesinneren kaum auszuhalten. Sevilla, Córdoba und Granada lassen sich gut mit ruhigen Küstenabschnitten am Cabo de Gata kombinieren.
5. Toskana und Umbrien
Sanfte Hügel, Weinberge und mittelalterliche Städte in gemütlichem Tempo bereisen. Dauer: 7-10 Tage, Schwierigkeit: einfach.
Florenz → Perugia6. Irland: Wild Atlantic Way
Die spektakuläre Westküste Irlands entlang, mit Klippen, kleinen Fischerdörfern und viel Wetterwechsel. Dauer: 10-14 Tage, Schwierigkeit: mittel.
Mit rund 2.500 Kilometern ist der Wild Atlantic Way eine der längsten ausgeschilderten Küstenrouten der Welt. Die meisten fahren nur Teilabschnitte. Wie in Schottland gilt Linksverkehr, und die Straßen sind eng und von Hecken gesäumt, die die Sicht nehmen. Die Anreise erfolgt per Fähre, was Zeit und Geld kostet; eine Anmietung vor Ort ist hier oft die pragmatischere Lösung.
Kinsale → Malin Head7. Portugal: Algarve und Westküste
Von Lissabon entlang der Atlantikküste bis zur Algarve, beliebt bei Surfern und Sonnenanbetern. Dauer: 7-10 Tage, Schwierigkeit: einfach.
Lissabon → Faro8. Alpenüberquerung: Deutschland–Österreich–Italien
Über bekannte Alpenpässe von Bayern über Tirol bis zum Gardasee, mit beeindruckenden Bergpanoramen. Dauer: 7 Tage, Schwierigkeit: anspruchsvoll (Passstraßen).
Zwei Dinge sind hier planungsrelevant: Die hohen Pässe wie Timmelsjoch, Stilfser Joch oder Großglockner sind erst ab Ende Mai bis Anfang Juni geöffnet und schließen im Oktober wieder. Und für Österreich brauchst du eine Vignette, für die Schweiz ebenfalls; einzelne Pässe und Tunnel kosten zusätzlich. Fahr die Steigungen im niedrigen Gang und nutz bergab die Motorbremse. Überhitzte Bremsen sind bei schweren Fahrzeugen die häufigste Panne in den Alpen.
München → Gardasee9. Griechenland: Peloponnes
Antike Stätten, Küstenorte und Berglandschaften auf überschaubarer Fläche. Dauer: 10 Tage, Schwierigkeit: mittel (Fährüberfahrt nötig).
Athen → Kalamata10. Skandinavien-Rundreise: Dänemark, Schweden, Norwegen
Eine große Rundtour durch drei Länder mit Wäldern, Seen und Fjorden, ideal für längere Sommerreisen. Dauer: 3-4 Wochen, Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll.
Diese Route braucht wirklich Zeit: Allein die Anfahrt von Deutschland bis Kopenhagen ist ein voller Fahrtag. Dafür ist Skandinavien in Sachen Camperinfrastruktur vorbildlich: Rastplätze mit Ver- und Entsorgung, saubere Plätze, verlässliche Straßen. Mitnehmen solltest du eine gute Mückenausrüstung für Schweden und Finnland im Hochsommer sowie genug Budget: Norwegen und Dänemark liegen bei Lebensmitteln und Kraftstoff deutlich über deutschem Niveau.
Welche Route passt zu deiner Reisedauer?
Wer eine Woche Zeit hat, sollte bei Zielen im Umkreis von etwa 600 Kilometern bleiben: Alpenüberquerung, Toskana oder die deutschen Ferienstraßen. Bei zwei Wochen kommen Kroatien, Portugal und Südfrankreich realistisch dazu. Norwegen, Griechenland und die große Skandinavien-Runde brauchen drei Wochen aufwärts, wenn die Reise nicht überwiegend aus Fahren bestehen soll.
- Eine Woche
- Umkreis von etwa 600 km
- Zwei Wochen
- Kroatien, Portugal, Südfrankreich
- Drei Wochen aufwärts
- Norwegen, Griechenland, Skandinavien
Für die erste längere Tour bewährt haben sich Kroatien, die Toskana und die Ostseeküste: kurze Etappen, dichtes Platznetz, keine schwierigen Straßen und überall Infrastruktur. Schottland, Irland und Norwegen sind landschaftlich spektakulärer, verlangen aber Erfahrung mit schmalen Straßen, unbeständigem Wetter und längeren Distanzen zwischen Versorgungspunkten.
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