Auf einen Blick
Die kurze Antwort vorweg: Für zwei Personen mit gemietetem Camper solltest du in der Hauptsaison mit 150 bis 220 Euro pro Tag rechnen, in der Nebensaison mit 90 bis 140. Wer ein eigenes Fahrzeug fährt, landet ohne Mietkosten bei 50 bis 80 Euro am Tag. Wie die Rechnung im Einzelfall ausfällt, hängt fast vollständig an drei Stellschrauben: Fahrzeuggröße, Reisezeit und der Frage, wie viel du fährst.
Die wichtigsten Kostenblöcke im Überblick
Die Kosten für einen Camper- oder Wohnmobil-Urlaub setzen sich aus mehreren Bausteinen zusammen, die oft erst auf den zweiten Blick sichtbar werden. Wer nur auf den angezeigten Tagespreis schaut, wird beim Bezahlen häufig überrascht.
Die Grundmiete
Der Tagespreis für die reine Fahrzeugmiete unterscheidet sich stark nach Fahrzeugtyp, Saison und Anbieter. Ein kompakter Campervan ist in der Nebensaison meist deutlich günstiger als ein großes Wohnmobil in den Sommerferien. Wochenend- und Ferienzeiten sind bei allen Anbietern spürbar teurer als Werktage in der Nebensaison.
- Campervan
- 90–130 € / Nacht
- Kastenwagen
- 110–160 € / Nacht
- Wohnmobil / Alkoven
- 130–220 € / Nacht
Als Orientierung für die Hauptsaison: Campervan 90 bis 130 Euro pro Nacht, Kastenwagen 110 bis 160, größeres Wohnmobil oder Alkoven 130 bis 220. In der Nebensaison (also außerhalb der Schulferien und ungefähr zwischen Oktober und April) sinken diese Werte häufig um 40 bis 50 Prozent. Bei längeren Mietdauern greifen zudem oft Staffelpreise: Ab zwei oder drei Wochen fällt der Tagessatz spürbar.
Pflicht-Zusatzkosten
Fast alle Vermieter berechnen zusätzlich zur Grundmiete verpflichtende Posten wie eine Reinigungspauschale, ein Kilometerpaket (bei Überschreitung wird pro km nachberechnet) und eine Ausstattungspauschale für Bettwäsche, Küchen-Set oder Campingmöbel. Diese Posten stehen selten prominent im ersten Preis, sondern erst im Buchungsprozess.
- Endreinigung
- 80–150 €
- Küchenpaket
- 40–80 €
- Bettwäsche
- 15–30 € / Person
- Campingmöbel
- 30–50 €
- Fahrradträger
- 40–70 €
- Zusatzfahrer
- 30–60 €
Typische Beträge: Endreinigung 80 bis 150 Euro, Küchenpaket 40 bis 80, Bettwäsche 15 bis 30 pro Person, Campingmöbel 30 bis 50, Fahrradträger 40 bis 70, Zusatzfahrer 30 bis 60. Für eine Woche summiert sich das schnell auf 250 bis 400 Euro. Bei einem Wochenpreis von 900 Euro sind das gut ein Drittel obendrauf. Deshalb ist ein Vergleich allein über den Tagespreis wenig aussagekräftig.
Beim Kilometerpaket sind je nach Tarif 100 bis 250 Kilometer pro Tag inklusive; darüber hinaus werden 0,25 bis 0,50 Euro pro Kilometer berechnet. Manche Anbieter werben mit unbegrenzten Kilometern zu einem höheren Grundpreis. Das rechnet sich ab etwa 200 Kilometern Tagesschnitt, also erst bei ausgedehnten Rundreisen.
Versicherung und Selbstbeteiligung
Die Basis-Vollkaskoversicherung ist in der Regel im Mietpreis enthalten, allerdings meist mit einer hohen Selbstbeteiligung im Schadensfall. Eine Reduzierung der Selbstbeteiligung (oft als optionales Zusatzpaket buchbar) lohnt sich für die meisten Mieter, auch wenn sie den Tagespreis spürbar erhöht.
Standard sind 1.000 bis 2.500 Euro Selbstbeteiligung pro Schadenfall. Die Reduzierung auf null kostet meist 15 bis 25 Euro pro Tag, für zwei Wochen also 200 bis 350 Euro. Das klingt viel, ist aber gemessen am Risiko fair kalkuliert: Die häufigsten Schäden an Mietwohnmobilen sind Kratzer an den Seitenwänden, Rangierschäden am Heck und abgerissene Dachaufbauten, alles typische Anfängerfehler, die schnell im vierstelligen Bereich liegen. Achte im Kleingedruckten darauf, ob Dach, Unterboden, Reifen und Innenraum eingeschlossen sind; gerade diese Bereiche werden häufig ausgenommen.
Sprit, Stellplätze und laufende Kosten unterwegs
Wohnmobile verbrauchen deutlich mehr Kraftstoff als ein normaler PKW. Dazu kommen Kosten für Stellplätze oder Campingplätze, Strom- und Wasseranschluss sowie Entsorgungsgebühren für Frisch- und Abwasser. Wer wild campen möchte, sollte sich vorher über die jeweils geltenden lokalen Regeln informieren, da das in vielen Regionen eingeschränkt oder verboten ist.
Rechne beim Verbrauch mit 9 bis 11 Litern für einen Campervan oder Kastenwagen und 11 bis 14 Litern für ein größeres Wohnmobil, im Gebirge und mit Fahrradträger auch mehr. Bei 2.000 Kilometern Reisestrecke und rund 1,70 Euro je Liter Diesel sind das etwa 400 bis 480 Euro. Übernachtungen kosten auf deutschen Stellplätzen 8 bis 15 Euro, auf Campingplätzen 25 bis 45 Euro pro Nacht für zwei Personen mit Strom.
Dazu kommen Posten, die in keiner Kalkulation stehen und trotzdem regelmäßig anfallen: Maut und Vignetten (Österreich rund 12 Euro für zehn Tage bei Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen, Schweiz 40 Franken für das Jahr, Frankreich und Italien streckenabhängig und für Wohnmobile in einer teureren Klasse), Gas mit 25 bis 35 Euro je Flaschenfüllung, Duschmünzen, Waschmaschine und die Ver- und Entsorgung, die je nach Station zwischen kostenlos und 5 Euro liegt.
Ein Rechenbeispiel: zwei Wochen zu zweit
Konkret wird es an einer typischen Reise: zwei Personen, Kastenwagen, zwei Wochen im Juli, Rundtour nach Südfrankreich mit rund 2.500 Kilometern. Grundmiete 14 Nächte à 130 Euro ergibt 1.820 Euro. Dazu Endreinigung 120, Küchen- und Bettpaket 130, Reduzierung der Selbstbeteiligung 280. Das macht 2.350 Euro, bevor das Fahrzeug den Hof verlassen hat.
Beispielrechnung
2 Personen · Kastenwagen · 14 Nächte im Juli · ca. 2.500 km
| Vor der Abfahrt | |
| Grundmiete 14 × 130 € | 1.820 € |
| Endreinigung | 120 € |
| Küchen- und Bettpaket | 130 € |
| Reduzierung Selbstbeteiligung | 280 € |
| Zwischensumme | 2.350 € |
| Unterwegs | |
| Diesel | ca. 460 € |
| Übernachtungen (Ø 25 €) | ca. 350 € |
| Maut und Fähren | ca. 120 € |
| Gas | 30 € |
| Zwischensumme | gut 960 € |
| Gesamt ohne Verpflegung | rund 3.300 € |
| pro Tag für zwei Personen | knapp 240 € |
Unterwegs kommen dann Diesel mit rund 460 Euro, Übernachtungen mit im Schnitt 25 Euro auf 350 Euro, Maut und Fähren mit etwa 120 Euro und Gas mit 30 Euro dazu. Zusammen gut 960 Euro. Der Gesamtbetrag liegt damit bei rund 3.300 Euro ohne Verpflegung, umgerechnet knapp 240 Euro pro Tag für zwei Personen.
Dieselbe Reise Ende September gefahren, mit einem kleineren Fahrzeug und mehr Stellplätzen statt Campingplätzen, landet bei etwa 1.900 bis 2.100 Euro. Der Unterschied liegt fast vollständig bei zwei Faktoren: Saison und Fahrzeugklasse. Genau dort ist auch der größte Hebel zum Sparen.
Mieten oder kaufen: Ab wann kippt die Rechnung?
Wer zwei- bis dreimal im Jahr für ein bis zwei Wochen unterwegs ist, kommt mit Mieten fast immer günstiger weg. Bei einem eigenen Fahrzeug laufen nämlich auch dann Kosten, wenn es steht: Versicherung, Steuer, Stellplatzmiete, TÜV, Wartung und Wertverlust summieren sich je nach Fahrzeug auf 2.500 bis 5.000 Euro im Jahr. Erst ab etwa acht bis zehn Reisewochen pro Jahr dreht sich das Verhältnis. Wer irgendwo dazwischen liegt, sollte sich die Zwischenlösungen ansehen: private Vermietung über Peer-to-Peer-Plattformen oder ein älteres Gebrauchtfahrzeug, das weniger Wertverlust produziert.
So sparst du beim Camper-Urlaub
- Nebensaison und Werktage nutzen Zwischen Ferienzeiten und an Werktagen sind Fahrzeuge günstiger und leichter verfügbar.
- Frühzeitig buchen Beliebte Fahrzeugklassen in der Hauptsaison sind oft Monate im Voraus ausgebucht. Wer früh bucht, hat mehr Auswahl und teils bessere Preise.
- Kleineres Fahrzeug wählen Ein Campervan für zwei Personen ist meist günstiger in Miete und Verbrauch als ein großes Wohnmobil.
- Kilometerpaket realistisch einschätzen Nachträglich gebuchte Kilometer sind fast immer teurer als ein von vornherein passend gewähltes Paket.
- Preise über mehrere Anbieter vergleichen Die Preisstruktur unterscheidet sich je nach Vermieter. Ein direkter Vergleich für dieselbe Route und denselben Zeitraum lohnt sich.
- Auf Überführungsfahrten achten Vermieter müssen Fahrzeuge zwischen Stationen verschieben und geben diese Strecken zu stark reduzierten Preisen ab (bei fester Route und wenig Vorlauf).
- Weniger Standortwechsel einplanen Jeder gesparte Fahrtag senkt Spritkosten und Verschleiß, und längere Aufenthalte bringen auf vielen Plätzen Wochenrabatte.
- Stellplätze statt Campingplätze für Zwischenstopps Auf der Durchreise brauchst du keine Sanitäranlagen. Das spart pro Nacht schnell 20 Euro.
Was sich dagegen selten rechnet: an der Versicherung zu sparen und statt Selbstversorgung überwiegend auswärts zu essen. Der erste Punkt kann eine ganze Reise teuer machen, der zweite frisst still und leise 40 bis 60 Euro pro Tag. Das ist mehr als der Unterschied zwischen zwei Fahrzeugklassen.
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